⚖️ 1. Grundlagen des Rechtsstaats / Grundgesetz
1. Welche Staatsstrukturprinzipien legt Art. 20 GG fest?
Antwort:
Art. 20 GG legt folgende Staatsstrukturprinzipien fest:
- Demokratieprinzip
- Sozialstaatsprinzip
- Rechtsstaatsprinzip
- Bundesstaat
- Republik
2. Welche Artikel des Grundgesetzes sind durch die Ewigkeitsklausel (Art. 79 Abs. 3 GG) geschützt?
Antwort:
Die Ewigkeitsklausel schützt:
- Art. 1 GG (Menschenwürde)
- Art. 20 GG (Staatsstrukturprinzipien)
Diese Artikel können nicht geändert werden.
3. Erkläre den Unterschied zwischen Menschenrechten und Bürgerrechten und nenne je ein Beispiel.
Antwort:
Menschenrechte: Gelten für alle Menschen (z.B. Art. 1 GG - Menschenwürde, Art. 2 GG - Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit)
Bürgerrechte: Gelten nur für deutsche Staatsbürger (z.B. Art. 8 GG - Versammlungsfreiheit, Art. 12 GG - Freiheit der Berufswahl)
4. Was versteht man unter der Gewaltenteilung in Deutschland?
Antwort:
Horizontale Gewaltenteilung:
- Legislative (gesetzgebende Gewalt) - Bundestag, Bundesrat
- Exekutive (vollziehende Gewalt) - Polizei, Zoll, Staatsanwaltschaft
- Judikative (rechtsprechende Gewalt) - alle Gerichte
Vertikale Gewaltenteilung: Bund, Länder, Kommunen
5. Wann gilt das Hausrecht und welche Befugnisse ergeben sich daraus für eine Wachperson?
Antwort:
Das Hausrecht gilt auf privaten Grundstücken und in Gebäuden. Eine Wachperson kann:
- Personen vom Grundstück verweisen
- Hausverbote aussprechen
- Zugang kontrollieren
- Bei Verstößen die Polizei rufen
Wichtig: Wachpersonen haben keine hoheitlichen Befugnisse!
📜 2. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
6. Erkläre den Unterschied zwischen Eigentum (§ 903 BGB) und Besitz (§ 854 BGB).
Antwort:
Eigentum (§ 903 BGB): Rechtliche Herrschaft über eine Sache - der Eigentümer kann mit seiner Sache nach Belieben verfahren und andere von der Nutzung ausschließen.
Besitz (§ 854 BGB): Tatsächliche Herrschaft über eine Sache - der Besitzer hat die Sache in seiner Gewalt, muss aber nicht der Eigentümer sein.
7. Was bedeutet verbotene Eigenmacht (§ 858 BGB) und welche Rechte stehen dem Besitzer zu?
Antwort:
Verbotene Eigenmacht: Jede Entziehung oder Störung des Besitzes ohne Willen des Besitzers.
Rechte des Besitzers:
- Besitzwehr: Abwehr von Besitzstörungen
- Besitzkehr: Wiederherstellung bei Besitzentzug
- Gewaltanwendung zur Verteidigung ist erlaubt
8. Was ist eine unerlaubte Handlung (§ 823 BGB) und welche Folgen hat sie?
Antwort:
Unerlaubte Handlung: Jeder widerrechtliche Eingriff in ein fremdes Rechtsgut (vorsätzlich oder fahrlässig).
Folgen:
- Schadenersatzpflicht
- Schmerzensgeld
- Wiederherausgabeanspruch
- Unterlassungsanspruch
9. Was ist der Unterschied zwischen Selbsthilfe (§ 229 BGB) und Notwehr (§ 227 BGB)?
Antwort:
Selbsthilfe (§ 229 BGB): Dient der vorläufigen Sicherung eines einklagbaren Rechtsanspruches, wenn obrigkeitliche Hilfe nicht rechtzeitig erreichbar ist.
Notwehr (§ 227 BGB): Verteidigung gegen einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff von sich selbst oder einem anderen.
10. Erkläre den Unterschied zwischen Defensivnotstand (§ 228 BGB) und Aggressivnotstand (§ 904 BGB) anhand eines Beispiels.
Antwort:
Defensivnotstand (§ 228 BGB): Gefahr wird mit EIGENEN Mitteln abgewehrt
Beispiel: Ich schlage mit meinem Regenschirm auf einen angreifenden Hund ein.
Aggressivnotstand (§ 904 BGB): Gefahr wird mit FREMDEN Mitteln abgewehrt
Beispiel: Ich reiße eine Latte aus einem fremden Zaun, um einen Hund abzuwehren. Hier besteht Schadenersatzpflicht für die Zaunreparatur.
⚔️ 3. Strafrecht / Strafprozessrecht
11. Wie prüft man die Strafbarkeit einer Handlung (Reihenfolge)?
Antwort:
3-stufiger Deliktsaufbau:
- Tatbestandsmäßigkeit: Erfüllt die Handlung alle Merkmale des Straftatbestandes?
- Rechtswidrigkeit: Ist die Handlung rechtswidrig? (Rechtfertigungsgründe prüfen)
- Schuld: Ist der Täter schuldfähig und schuldhaft?
12. Wann liegt ein Versuch (§ 22 StGB) vor, und wann bleibt er straflos (§ 24 StGB)?
Antwort:
Versuch (§ 22 StGB): Täter beginnt mit der Ausführung der Tat und führt sie nicht zur Vollendung.
Strafbarkeit:
- Versuch eines Verbrechens ist immer strafbar
- Versuch eines Vergehens nur strafbar, wenn ausdrücklich im Gesetz genannt
Straflosigkeit (§ 24 StGB): Bei freiwilligem Rücktritt vom Versuch.
13. Erkläre den Unterschied zwischen Diebstahl (§ 242 StGB) und Betrug (§ 263 StGB).
Antwort:
Diebstahl (§ 242 StGB):
- Wegnahme einer fremden, beweglichen Sache
- Mit rechtswidriger Zueignungsabsicht
Betrug (§ 263 StGB):
- Täuschung über Tatsachen
- Irrtumserregung beim Opfer
- Vermögensverfügung
- Vermögensschaden
14. Welche Voraussetzungen müssen für eine Nötigung (§ 240 StGB) erfüllt sein?
Antwort:
Nötigung (§ 240 StGB):
- Gewalt oder Drohung mit einem empfindlichen Übel
- Ziel: Nötigung zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung
- Verwerflichkeit der Mittel
15. Welche Merkmale müssen für eine Freiheitsberaubung (§ 239 StGB) gegeben sein?
Antwort:
Freiheitsberaubung (§ 239 StGB):
- Einsperren oder auf andere Weise der Freiheit berauben
- Gegen den Willen des Betroffenen
- Nicht nur kurzfristig
🚨 4. Jedermannsrechte / Ausnahmerechte
16. Was sind die Voraussetzungen der Notwehr (§ 32 StGB)?
Antwort:
Notwehr (§ 32 StGB):
- Angriff: Gegenwärtiger, rechtswidriger Angriff
- Verteidigung: Erforderlich zur Abwehr
- Ziel: Abwehr von sich selbst oder einem anderen
Keine Rechtsgutabwägung erforderlich!
17. Was ist der Unterschied zwischen Notwehr und Nothilfe?
Antwort:
Notwehr: Verteidigung der eigenen Person oder Rechtsgüter
Nothilfe: Verteidigung einer anderen Person oder deren Rechtsgüter
Beide fallen unter § 32 StGB und § 227 BGB
18. Was sind die Voraussetzungen einer vorläufigen Festnahme (§ 127 Abs. 1 StPO)?
Antwort:
Vorläufige Festnahme (§ 127 Abs. 1 StPO):
- Straftat muss vorliegen
- Auf frischer Tat betroffen ODER verfolgt
- Identität nicht sofort feststellbar ODER Fluchtverdacht
Jedermannsrecht!
19. Erkläre den Unterschied zwischen einem rechtfertigenden (§ 34 StGB) und einem entschuldigenden Notstand (§ 35 StGB).
Antwort:
Rechtfertigender Notstand (§ 34 StGB):
- Rechtfertigt die Tat (nicht rechtswidrig)
- Schutz aller Rechtsgüter möglich
- Gefahr von Sachen oder Tieren
Entschuldigender Notstand (§ 35 StGB):
- Entschuldigt die Tat (rechtswidrig, aber schuldlos)
- Nur Schutz von Leben, körperlicher Unversehrtheit, Freiheit
- Nur für sich selbst, Angehörige oder nahestehende Personen
20. Welche Personen dürfen sich nicht auf Jedermannsrechte berufen (§ 860 BGB), und warum?
Antwort:
Besitzdiener (§ 860 BGB): Können sich nicht auf Jedermannsrechte berufen, da sie nur im Auftrag des Besitzers handeln und nicht selbst im Besitz sind.
Besitzdiener haben nur die Rechte, die ihnen vom Besitzer übertragen wurden.
🧾 5. Bewachungsverordnung (BewachV) / Gewerberecht
21. Welche Pflichten hat der Bewachungsunternehmer nach § 11 BewachV gegenüber seinen Beschäftigten?
Antwort:
Pflichten des Bewachungsunternehmers:
- Unterrichtung über Rechte, Pflichten und Befugnisse
- Übermittlung der Dienstanweisung
- Empfangsbestätigung einholen
- Verschwiegenheitsverpflichtung
- Nachweise über Zuverlässigkeit und Befähigung
22. Was muss eine Dienstanweisung enthalten?
Antwort:
Dienstanweisung muss enthalten:
- Wachperson hat keine hoheitlichen Befugnisse
- Angabe über Verteidigungswaffen im Dienst
- Verfahren nach Waffengebrauch
23. Welche Angaben müssen auf einem Dienstausweis (§ 18 BewachV) stehen?
Antwort:
Dienstausweis muss enthalten:
- Name und Vorname der Wachperson
- Name und Anschrift des Gewerbetreibenden
- Falls abweichend: Firmenname
- Bewacherregisteridentifikationsnummer der Wachperson
- Bewacherregisteridentifikationsnummer des Gewerbetreibenden
- Unterschrift der Wachperson
- Unterschrift des Gewerbetreibenden
24. Wann ist das Tragen eines Namensschildes vorgeschrieben, und wann kann darauf verzichtet werden?
Antwort:
Namensschild ist vorgeschrieben bei:
- Allen Tätigkeiten, die Sachkundeprüfung erfordern
- Ausnahme: Kaufhausdetektive
- Tätigkeiten in Flüchtlings- und Asylunterkünften
- Tätigkeiten bei zugangsgeschützten Großveranstaltungen
Verzicht möglich bei: Kaufhausdetektiven und anderen Tätigkeiten ohne Sachkundeprüfungspflicht
25. Welche Unterlagen müssen bei einer Nachschau durch die Behörde (§ 16 BewachV) vorgelegt werden können?
Antwort:
Vorzulegende Unterlagen:
- Haftpflichtversicherungsvertrag
- Nachweise über Zuverlässigkeit und Befähigung
- Dienstanweisungen und Empfangsbestätigungen
- Verschwiegenheitsverpflichtungen
- Dienstausweisvordruck
- Unterlagen zu waffenführenden Mitarbeitern
- Anzeigen über Waffengebrauch
🧠 6. Umgang mit Menschen / Kommunikation
26. Erkläre das Vier-Ohren-Modell nach Schulz von Thun.
Antwort:
Vier-Ohren-Modell: Jede Botschaft hat vier Seiten:
- Sachseite: Übermittlung von Informationen
- Beziehungsseite: Beziehungsaussage zwischen Sender und Empfänger
- Appellseite: Veranlasst den Empfänger zu einer Handlung
- Offenbarungsseite: Sender gibt Informationen über sich preis
27. Was versteht man unter "selektiver Wahrnehmung" und warum ist sie für Sicherheitsmitarbeiter wichtig?
Antwort:
Selektive Wahrnehmung: Man nimmt (teilweise unbewusst) gezielt das wahr, was einem gerade wichtig erscheint, und ignoriert andere Eindrücke.
Bedeutung für Sicherheitsmitarbeiter: Sie müssen sich in einer besonderen Form der Wahrnehmung üben, um wichtige Details nicht zu übersehen und gezielt relevante Informationen aufzunehmen.
28. Nenne zwei typische Fehler in der Kommunikation, die zu Konflikten führen können.
Antwort:
Fehler beim Senden:
- Ungenaue Aussagen
- Schlechte Aussprache
- Falscher Ausdruck
Fehler beim Empfangen:
- Mangelndes Verständnis
- Desinteresse
- Ständiges Unterbrechen
29. Wie sollte sich eine Wachperson bei einem Konfliktgespräch deeskalierend verhalten?
Antwort:
Deeskalationsregeln:
- Ruhe bewahren
- Abstand halten, Eigensicherung beachten
- Lage beurteilen
- Grund für Eskalation beseitigen
- Räumliche Verschiebung anstreben
- Aktives Zuhören
- Selbstbeherrschung aufrechterhalten
- Konfliktlösende Botschaft senden
30. Beschreibe kurz die vier Phasen einer Panikreaktion.
Antwort:
Vier Panikphasen:
- Panikstimmung: "Etwas liegt in der Luft", Gefahren werden vermutet
- Panikereignis: Katastrophe, Feuer, Explosion, Schüsse, Lichtausfall
- Paniksturm: Offene Panik, Zusammenbruch aller Ordnungsnormen, Fluchtinstinkt
- Panikstarre: Vor Angst unfähig sich zu bewegen, Reizüberflutung